Ev. - luth. Kirchengemeinde Schönemoor
Ev. - luth. Kirchengemeinde Schönemoor

Predigt am 26. März 2017 über Joh. 12,20-26 (Pastorin Susanne Wöhler)

Liebe Gemeinde,

Jesus benutzt gerne Bilder aus der Landwirtschaft, um den Jüngern und den anderen Menschen etwas klar zu machen.

Diesmal sagt er:

Ein Samenkorn muss in die Erde gelegt werden, damit es neu zum Leben erweckt wird und Frucht bringt.

Was er damit klar machen will ist: Wie die Pflanzen in die Erde gelegt werden, damit sie zu neuem Leben erweckt werden, so ähnlich ist es bei den Menschen auch.

Sie werden in die Erde gelegt, wenn sie sterben.

Sie werden zu neuem Leben erweckt durch die Auferstehung.

Natürlich weiß Jesus, dass ein Mensch nicht wirklich ein Samenkorn ist wie bei einer Pflanze.

Sein Bild ist nur im übertragenen Sinn zu verstehen.

Im Bild ist eine bestimmte Sichtweise über das Leben enthalten. Danach verläuft das Leben in Kreisläufen.

Es ist auch möglich, das anders zu sehen: Bei dieser Sichtweise läuft das Leben ab wie eine Linie.

Am Anfang steht dann die Zeugung und die Geburt, dann kommt das Leben, am Ende ist der Tod.

Man kann sich das aber auch anders vorstellen, nämlich so, dass das Leben keine Linie ist sondern sich in Kreisläufen abspielt.

In der Natur finden wir überall solche Kreisläufe.

Wie z.B. beim Samen, der wie tot in der Erde schlummert, bis er plötzlich keimt und neues Leben und viel Frucht bringt.

Ein Kreislauf, der unser Leben sehr bestimmt, ist der Tageslauf.

Der Tag beginnt, die Sonne geht auf.

Sie beschreibt einen Kreis um den Horizont (in Wirklichkeit beschreibt natürlich die Erde einen Kreis auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne).

Abends geht sie wieder unter, der Tag ist zu Ende.

Am nächsten Morgen geschieht das Ganze von vorne.

Jede Tageszeit hat dabei ihren eigenen Reiz:

Der Morgen mit seiner Frische, alles ist wie neu, der Tag liegt wie ein unbeschriebenes Blatt vor mir.

Das Tagewerk wird begonnen, Kinder versorgt, Arbeit getan. Dann kommt der Mittag, im Sommer mit seiner Hitze.

Wie schön, wenn man eine Mittagspause machen kann: in Ruhe essen, ein bisschen schlafen, sich auf den Nachmittag einstellen.

Der Nachmittag hat seine eigenen Aufgaben.

Dann kommt der Abend mit seinem abnehmenden Licht. Die Schatten werden länger, der Tag klingt aus.

Die Kinder werden ins Bett gebracht, Ruhe kehrt ein.

Oder Party.

Die Nacht mit ihrer Finsternis hat ihre eigenen Herausforderungen.

Einen weiteren Kreislauf haben wir mit den Monaten, dem ab- und zunehmenden Mond.

Und im Jahr, mit seinen verschiedenen Jahreszeiten: Im Frühling wird alles bunt und neu.

Das Leben erobert die Welt zurück, die Saat beginnt zu wachsen.

Der Sommer bringt köstliche Früchte, die Sonne, die Hitze.

Der Herbst bringt die Ernte, die Natur bereitet sich auf den Winter vor, Stürme brausen über das Land.

Und der Winter? Den wollen wir jetzt nicht mehr!

Kälte, Dunkelheit, das drinnen sitzen, Glätte und Frost fordern uns heraus.

Wir müssen Vorsorge treffen und geduldig sein.

Das waren schon 3 Kreisläufe, die unser Leben bestimmen:

Der Tag, der Monat und das Jahr.

Und dann können wir auch unser ganzes Leben als Kreislauf begreifen.

Das Leben beginnt nicht mit der Zeugung oder der Geburt, sondern irgendwie schon vorher, in Gottes Hand.

In Gottes Hand landen wir auch wieder, wenn unser Leben auf dieser schönen Welt endet.

Bei Gott ist die Seele schon vor der Zeugung, der Mensch existiert schon als Idee Gottes.

Dann, wenn es so weit ist, wächst ein kleiner Mensch im Mutterleib heran.

Es gibt keinen zweiten wie ihn.

Dann: die Geburt.

Manche drängt es dann besonders schnell ans Licht.

Wenn ein Mensch zur Welt kommt, ist das ein ganz besonderer Anfang.

Wie ein neuer Morgen, wie der Frühling des Lebens:

Alles ändert sich, für die Eltern, die Familie die Freundinnen und Freunde.

Und der göttliche Glanz der kleinen Seele strahlt immer noch aus dem kleinen Menschen heraus.

Für ihn ist auch alles neu.

Alles muss be – griffen, bestaunt, ausprobiert werden.

Wie von selbst wächst das Kind, und es wächst nach dem Beginn des Frühlings wie in eine andere Jahreszeit hinein:

Es kommt der Sommer, die Jahreszeit der Kindheit.

Pure Freude, pures Leid, alles wird ganz intensiv erlebt.

Im Sommer gibt es die größte Freiheit.

Man ist viel draußen, kann Schwimmen gehen, Lachen, Blödsinn machen.

Nicht nachdenken, das Leben auskosten, das ist das Privileg der Kindheit und der Jugend, das ist der Sommer.

Dann kommt der Herbst, er ist auch die Zeit der Jugend.

Stürmisch wird das Leben, Liebe und Liebeskummer. Geheimnisse, die Dunkelheit wird reizvoll.

Feiern in der Nacht, sich ausprobieren, rebellieren, Einsamkeit und Gemeinsamkeit.

Die Jahreszeit des Erwachsenseins ist der Winter.

In ihm ist Vernunft gefragt.

Ist Feuerholz da?

Habe ich warme Kleidung?

Was fehlt, muss jetzt besorgt werden, sonst drohen Krankheit und Schlimmeres.

Die Erwachsenen sorgen für die anderen mit: Für Kinder, Jugendliche und Alte.

Sie alle, so war es zumindest früher, können im Winter in der Stube zusammen kommen, Geschichten werden weiter gegeben, Weisheiten geteilt.

Die Alten erzählen, die Jungen lernen die Wurzeln der Familie kennen, und lernen viel über das Leben.

So könnte es sein.

Dass es heute oft nicht so ist, daran krankt vielleicht im Moment auch unsere Welt.

Am Ende des Kreislaufs wird auch beim menschlichen Leben die Saat gelegt für den Neubeginn.

Schauen wir uns diesen Punkt der Kreisläufe noch einmal an: Den Punkt, bei dem ein Zyklus endet und ein neuer anfängt.

Zuerst wieder beim Tag: Am Ende des Tages steht, hoffentlich, der Schlaf.

Er ist die Voraussetzung, dass der neue Tag mit neuer Kraft begonnen werden kann.

Am Ende des Jahres, im Winter, bereitet sich die Natur unter dem Laub schon auf das Frühjahr vor.

Der Mensch schafft die Voraussetzungen, dass es auch im neuen Jahr wieder etwas zu essen gibt.

Samen werden gekauft oder sortiert, Beete vorbereitet.

Und am Ende des Lebens?

Dann geschieht die Vorbereitung darauf, dass der Mensch zu Gott zurückkehrt.

Er ordnet seine Verhältnisse, versöhnt sich mit denen, mit denen es schwer war, und stirbt.

Die sterblichen Überreste werden in die Erde gelegt.

Jesus sagt: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt.

Er meint damit die Auferstehung.

Der Apostel Paulus schreibt auch darüber.

Er sagt: Unser irdischer Körper ist wie ein Samenkorn, das einmal vergeht.

Wenn er aber auferstehen wird, ist er unvergänglich.

Auferstehungen gibt am Ende des Leben, aber auch schon im Leben immer wieder:

Nach einer Krankheit kommen die Kräfte wieder, wir können wieder nach draußen und das Leben genießen.

Nach einer Niederlage wachsen neue Kräfte, um wieder neu loszulegen.

Nach dem Winter wärmt die Sonne wieder und die Blumen leuchten in den Beeten.

Damit all das möglich ist, dazu hilft uns Gott.

So steht es in den beiden Taufsprüchen

Glaube an den Herrn, deinen Gott, denn er ists, der dir Kräfte gibt. Und:

Sei mutig und stark! Der Herr, dein Gott ist mit dir, was du auch tust.

Wie ein Rad, das sich immer weiter dreht, in Bewegung bleibt, so ist das ganze Leben Bewegung.

Aber was auch immer diese Bewegung uns bringt: Einen Anfang, ein Ende, Kälte oder Hitze, Licht oder Dunkelheit – wir sind immer gehalten und getragen von Gott.

Er ist mit uns, was immer wir unternehmen.

Er ists, der uns Kräfte gibt.

Amen.