Ev. - luth. Kirchengemeinde Schönemoor
Ev. - luth. Kirchengemeinde Schönemoor

Predigt am 29. Januar 2017 über Matthäus 14,22-33 (Pastorin Susanne Wöhler)

Liebe Gemeinde,

anknüpfend an die Geschichte, die heute unser Predigttext ist, gibt es eine ganze Reihe von Witzen, hier einer davon:

Ein katholischer, ein jüdischer, ein evangelischer und ein freikirchlicher Geistlicher gehen zum Angeln.

Als beim Evangelischen etwas an der Angel zieht, läuft dieser - pitsch, pitsch, pitsch - übers Wasser und holt die Angel ein. Dasselbe macht auch der Freikirchliche.

Als beim jüdischen Geistlichen etwas an der Angel zieht, läuft auch dieser - pitsch, pitsch, pitsch - übers Wasser und holt die Angel ein.

Als beim Katholischen etwas an der Angel zieht, will auch dieser aufs Wasser - blubb, blubb, blubb - und geht unter. Nach zehn Minuten sagt der Evangelische zum Jüdischen: "Einen starken Glauben mag er ja gehabt haben, aber er wußte nicht, wo die Steine im Wasser liegen."

Der Jüdische nickt wissend.

Sagt der Freikirchliche: „Was für Steine?“

Oder eine Karikatur:

Ein Waschzuber seht auf einem Tisch, daneben steht eine dicke Maria, die mit ihrem Kind Jesus schimpft.

Er steht auf dem Wasser im Zuber und grinst. „Wenn du damit nicht sofort aufhörst, gibt’s was hinter die Löffel.“

Jedes Kind weiß, dass man nicht übers Wasser gehen kann.

Trotzdem gibt es immer wieder Erklärungsversuche á la: „Und die Bibel hat doch recht“.

Alle, die unsere Heilige Schrift wortwörtlich verstehen wollen, kommen bei diesen Wundererzählungen sehr schnell in Schwierigkeiten.

Andere sagen: In der Bibel stehen solche unglaubhaften Geschichten, dann kann das ja alles nur Quatsch sein – und schütten das Kind mit dem Bade aus. Sie glauben gar nicht mehr an etwas, was in der Bibel steht.

Die Wundererzählungen haben aber eine tiefe Wahrheit, und es ist unglaublich schade, wenn man ihnen nicht die Chance gibt zu wirken.

Die Wahrheit kann sich erschließen, wenn wir die Geschichten nicht wortwörtlich verstehen, sondern auf einer seelischen Ebene.

Zum Beispiel der See: er kann ein Bild sein für unser Leben. Das Boot ist unser Lebensschiff, und die Menschen im Boot sind die Menschen, mit denen wir unterwegs sind.

Manchmal geht alles glatt, das sind die Zeiten, wenn das Lebensschiff ruhig im Wasser liegt.

Wir bekommen Rückenwind, was wir uns vornehmen, gelingt.

Die Stimmung an Bord ist gut, die Sonne scheint, das sind die leichten und schönen Zeiten des Lebens.

Und dann gibt es die anderen.

Wenn ich sage: da hab ich ganz schön Gegenwind gekriegt.

Ich sehe dunkle Wolken am Himmel.

Stürmische Zeiten kommen auf uns zu.

Das sind alles Bilder, die zeigen, wie unser Leben aussehen kann.

Wird der Sturm stärker, dann wird es bedrohlich.

Viele sehen im Moment die politische Lage als bedrohlich an.

Die einen fürchten sich eher vor fremden Menschen, die anderen vor rechtem Gedankengut.

Am Freitag wurde an die Befreiung der KZ´s gedacht.

Manche sagen, das ist doch so lange her, das soll man doch endlich ruhen lassen.

Jetzt gibt es gerade noch Menschen, die von dieser schlimmen Zeit erzählen können.

Bald schon werden sie gestorben sein.

Es ist wichtig, sich auch dann noch regelmäßig vor Augen zu halten, wozu Menschen in der Lage sind.

Wir sollten wachsam sein, wo gelogen wird, wo Menschen herabgewürdigt werden.

Das passiert zur Zeit in allen Lagern.

Stürmische Zeiten können Zeiten der Angst sein, der Sorge um jemanden in der Familie oder im Bekanntenkreis.

Stürmische Zeiten gibt es, wenn jemand krank ist, oder wenn der Tod ins Leben kommt.

Es gibt sie natürlich auch in der Schule, wenn der Leistungsdruck zu groß wird.

Oder wenn andere Kinder und Jugendliche fies und gemein sind.

Solche Zeiten sind auch in den Sturm – Geschichten im Evangelium gemeint. Sie erzählen auch, wo die Rettung herkommt.

Erzählung: Sturmstillung – Jesus ist mit an Bord

Es gibt noch eine Sturm – Geschichte, bei der Jesus nicht mit an Bord ist.

Eben noch war das Leben schön.

Alle waren zusammen, die Menschen, die Jesus gefolgt sind, haben interessante Gespräche geführt, sie haben zusammen gegessen und getrunken.

Wie ein Fest war das.

Jesus sprach zu ihnen.

Die Jünger waren froh und stolz, dazu zu gehören.

Sie glaubten an Jesus, er gab ihrem Leben einen Halt und eine Richtung. Sie vertrauten im blind.

Dann schickte er sie weg.

Er sagt: Ich muss eine Weile allein sein.

Ich muss mich mal ausruhen.

Geht schon ins Boot und fahrt ans andere Ufer, ich treffe euch dann.

Sie fahren los, es wird dunkel.

Es gibt keinen Stern am Himmel, der Mond wird von dunklen Wolken verdeckt.

Erzählung: Der Seewandel: Jesus ist nicht mit an Bord, in der Not kommt er hinzu

Dies ist ein Sturm, der im Inneren tobt.

Es ist die Angst, die wie große Wellen in unser Lebensschiffchen schwappt. Es ist der Wind, der uns ins Schwanken bringt und bis ins Mark erschüttert.

Und wenn wir an Jesus glauben – in diesem Moment ist er nicht da.

Wir schippen und schippen das Wasser aus dem Boot, aber immer mehr schwappt herein. Hilfe, ich gehe unter!

Ich kann nicht mehr. Das Segel reißt, der Mast droht zu brechen, das Steuerrruder ist schon abgerissen.

Dann kommt noch etwas hinzu, etwas leuchtendes.

Es kann ja nur etwas Schlimmes sein: „Ein Gespenst!“

Aber aus dem Leuchten kommt eine vertraute Stimme:

Fürchte dich nicht, ich bins.

Das Vertrauen kehrt zurück.

Er lässt mich doch nicht allein.

Wenn du es bist, Herr, dann lass mich auch auf dem Wasser gehen.

Dein Leben trägt dich, selbst im Sturm.

Aber das Vertrauen bröckelt, als ich noch einmal die Wellen sehe und den Wind spüre.

Hilfe, ich gehe unter!

Aber die Stimme Jesu rettet noch einmal, es kommt wieder fester Boden unter die Füße.

Hast du immer noch kein Vertrauen?

Wie sollte ich denn? Wie sollte ich wirklich glauben, dass ich auf dem Wasser gehen kann?

Es ist kein Wasser – es ist dein Leben.

Vertraue auf mich, deinen Gott, und du wirst nicht untergehen.

Amen.